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Sonntag Morgen werde ich um 4.00 h wach und dachte die Welt geht unter, genieße mein warmes Bett noch eine Stunde in der Hoffnung: bis zum Schwimmstart hat sich das Wetter ausgetobt, der liebe Gott ist ja ein Sportler und so was tut er uns nicht an. Als ich um 6 aus dem Haus bin, sah es auch so aus. Im Bus kurz vor Schierstein (Schwimmstart) hab ich meine Hose ausgezogen und bin in Radhosen und Regenjacke Richtung Hafen, einige schoben ihre Räder wieder aus der Wechselzone. Weicheier!!!!!
2006 bin ich bei meiner ersten Mitteldistanz in Köln bei fast gleichen Bedingungen auch ins Ziel gekommen, 2010 hab ich mehr Routine auf dem Rad, ich werde es schon schaffen, bin ja nicht aus Zucker! Das schönste an dem Tag war das schwimmen, kurz vorm Ausstieg hat es wieder so heftig geregnet, dass ich gar nicht aus dem Wasser wollte. Hatte den Badeanzug an und wollte/musste trockene Klamotten anziehen – wow Mann, gar nicht so einfach, dachte ich reis mir die Hose kaputt, vom Oberteil ganz zu schweigen und die neuen Armlinge (meine alten sind dick gefüttert und erschienen mir zu warm) wollten auch nicht über die Arme rutschen (siehe Wechselzeit).
Den ersten Berg bin ich ganz gut hochgekommen (die Strecke bin ich dieses Jahr gar nicht abgefahren, da erstens keine Bergziege und zweitens war sie sehr lange gesperrt w/ Baustelle). Der Regen wechselte ständig, mal mehr mal weniger. Manche Typen fahren wie die Säue, einige waren auch noch mit Scheiben unterwegs. Überall gab es auch Steinschlag, in der ersten langen Abfahrt kam ich in einer Kurve gleich nach einem Unfall und hab erst mal die Straße freigeräumt (Hinterrad, Radweste, Radschuh, Trinkflasche) und mich anplöcken lassen von einem Radfahrer, ich soll von der Straße runter. Einer lag am Boden, zwei andere blieben bei ihm, der Arzt war verständigt bin dann vorsichtig weitergefahren. Wurde mehrfach überholt und hab öfters die Arme gespürt, einige sind schlitternd in die Kurven, musste nicht nur auf mich aufpassen sondern genau beobachten, was vor mir los war. So viele Radflaschen und Brillen auf dem Boden hab ich noch nie gesehen.
Berg hoch hab ich geschwitzt und bergab total gefroren, teilweise hat’s gehagelt, das Wasser stand in den Radschuhen (hatte mir Neopren-Spitzen für die Schuhe gekauf, die waren für die Katz), hatte eiskalte Füße. Irgendwann viel mir ein, dass ich in Schotten 2007 ähnliche Verhältnisse auch durchgestanden hab (hatte es total vergessen). Die Unterhaltung mit meinem inneren Schweinehund wurde immer intensiver, bei KM 50 sehe ich ein Schild: „Wiesbaden 14 km“ – Aufhören – nein weiter. Nächstes Jahr ist eine Staffel geplant mit einem Kollegen (Radfahrer), meinem Chef (Läufer) und ich gebe die Zeiten beim Schwimmen vor – wenn ich jetzt Abbreche – könnten die Staffelteilnehmer 2011 denken, die Baltes hat auch aufgegeben, dann kann ich das auch – schon war mein innerer Schweinehund still, weiter gings. Die Abfahrten wurden immer beschwerlicher, eiskalte Hände und immer wieder bremsen – ich wollte nur noch heil ins Ziel. So glücklich bin ich noch nie vom Rad gestiegen (glaub ich zumindest).
War erstaunt, dass auf der Laufstrecke noch so viele Zuschauer ausharrten, viele Freunde, Kollegen und Vereinsmitglieder haben uns lautstark und unermüdlich angefeuert. Es ist für mich ein Heimspiel, beim Zieleinlauf kullerten dann doch ein paar Freudentränen, die Strapazen haben sich gelohnt – der Zieleinlauf war gigantisch.
... vier Wellen haben mich durch das Wasserrennen am Sonntag getragen.
1. Wellen im Schiersteiner Hafenbecken mit seinen unglaublichen Ansammlungen an anhänglichen Unterwasserschlingknöterich, ... 2. die Aquaplaningwellen durch die Nebelwelt des Taunus, ... 3. die Matschwellen beim Crosslauf durch den Wiesbadener Kurpark, ... 4. dann, ... die Anfeuerungswellen der Zuschauer, ich hab mich einfach treiben lassen, ... musste fast gar nicht´s mehr selbst tun , ... so sollte es immer sein .
Nun genieße ich 1 Woche lang das Wiesbadener Weinfest (ohne Sport)!!!
Elfie Baltes |