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Ingo Parche - Saison 2009 |
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Geschrieben von: Ingo Parche
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Montag, 08. Februar 2010 um 00:00 Uhr |
Nachdem sich meine Laufleistung trotz erhöhtem Unfang in den vergangenen zwei Jahren nicht signifikant gesteigert hatte, wollte ich in der kommenden Saison meine Grundschnelligkeit durch eine Technikverbesserung erhöhen. Obwohl mir in den Teamtreffen das Lauf- ABC sehr gut gefallen und ich mir auch fest vorgenommen hatte, dieses in mein Lauftraining einzubauen, wenigstens ab und zu, war es bislang leider bei dem guten Vorsatz geblieben. Hier schlummert noch Potenzial, welches es rauszukitzeln galt. Des Weiteren wollte ich mein eher bescheidenes Schwimmen wenigstens ein bisschen verbessern, irgendwie fühlte ich mich als Ute Mückel Teammitglied dazu verpflichtet. Ein auch nur passabler Schwimmer werde ich nie, aber etwas schneller als „Boje“ sollte doch machbar sein. Ganz klares sportliches Highlight sollte der Wettkampf in Roth werden. Bei meiner dritten Teilnahme nach 2005 und 2007 sollte die Zehn-Stunden-Marke unterboten werden. Vorbereitung Um meine Ziele leichter zu erreichen bin ich dem Dortmunder Verein TRI-GECKOS beigetreten, die sowohl beim wöchentlichen Lauftraining das Lauf- ABC durchführen, als auch regelmäßiges Schwimmtraining anbieten. Während des eher kalten und ungemütlichen Winter in Deutschland habe ich dann insbesondere an meiner Laufgrundlage und Lauftechnik sowie am Schwimmen gearbeitet, Radfahren ging leider nur auf der Rolle. Da mir die Rolle schnell langweilig wird, ich Radausfahrten aufgrund der eisigen Straßenverhältnisse für zu gefährlich hielt, hatte ich mich kurzfristig für ein Trainingscamp auf Lanzarote entschieden. Dort konnte ich Ende Februar/Anfang März bei meist schönstem Wetter lockere Kilometer sammeln, Schwimmen und Laufen stand neben der Rumpfstabi und Dehnen natürlich auch auf dem Programm. Alles schien bestens für eine gute Saison anzulaufen. In der zweiten Campwoche hatte ich dann mehrere Haarwurzelentzündungen im linken Schritt, was die Freude am Radfahren deutlich reduziert hat. Natürlich bin ich trotzdem weitergefahren, deswegen war ich ja extra aus dem nasskalten Deutschland geflüchtet. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich später rausstellte. Um die Sitzschmerzen zu reduzieren habe ich unbewusst eine Schonhaltung auf dem Rad eingenommen und dabei das rechte Bein anders als gewöhnlich belastet und letztendlich deutlich überlastet. Eine Entzündung der rechten Achillessehne war die schmerzhafte Konsequenz. An Laufen war nicht mehr zu denken, sogar das normale Gehen war für mehr als zwei Wochen nur humpelnd möglich. Nach einer Laufpause von ca. sechs Wochen bin ich langsam wieder in das Lauftraining eingestiegen, wahrscheinlich hat auch die Bindegewebemassage und Reizstromtherapie zum Genesungsprozess beigetragen. Glücklicherweise war während dieser Zeit Schwimmen und auch lockeres Radfahren weiter möglich, immerhin. Auch wenn ich die Ursache kannte und abgestellt war, sah ich trotzdem meine Saisonziele in weite Ferne gerückt. Den geplanten Laufformtest über eine längere Distanz beim Hermannslauf musste ich dann natürlich absagen, dieser war jetzt völlig unsinnig und ging auch einfach nicht. Den ersten Saisonwettkampf bestreite ich traditionell in Iserlohn, trotz der Verletzung wollte ich zumindest die Schwimm- und Radform schon mal antesten und dann abwarten was beim Laufen passiert. Schlimmstenfalls wäre ich beim Auftritt von Schmerzen beim Laufen ausgestiegen, auch wenn ich bislang noch kein DNF in den Ergebnislisten stehen hatte. Glücklicherweise ging alles glatt: keine Schmerzen und sogar eine recht gute Zeit. Obwohl mich beim Laufen zwei bekannte Gesichter überholt haben, die sonst langsamer sind, war ich trotzdem sehr zufrieden. Manchmal muss man eben die Ziele den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Schließlich hat mir das „Durchlaufen“ der 5-km Strecke auch Mut und neue Motivation für die beginnenden Saison-Wettkämpfe gegeben. Wettkämpfe Meine Wettkämpfe in der Masterliga (MD Bonn, OD Voerde, OD Saerbeck) und zwei Aushilfseinsätze in der Verbandsliga (OD Harsewinkel, MD Hückeswagen) liefen alle gut, insgesamt war die Anzahl aber sicherlich am Limit und nicht optimal für die Vorbereitung auf Roth. Ein wenig mehr Regeneration wäre für die Form beim Saisonhöhepunkt bestimmt besser gewesen, aber Spaß haben alle Wettkämpfe gemacht. Und das Wichtigste: das rechte Bein hat sich nie wieder gemeldet. Außerdem habe ich natürlich die ganze Zeit an das ursprüngliche Ziel von einer Zeit unter Zehn Stunden gedacht, was mir aufgrund der Verletzung unerreichbar erschien. Hervorzuheben bleibt vielleicht mein Einsatz in Saerbeck, eine Woche vor dem Roth-Wettkampf. Schwimmen lief trotz Neoverbots ganz gut, auch das Radfahren war o.k.. Es galt noch die Laufstrecke über zwei Runden bei fast tropischer Hitze zu überstehen. Die erste Runde war anstrengend, mein Puls durch Tempo und Hitze sehr hoch. Nach knapp 20 Minuten kam endlich das Schild, welches den Wechsel auf die zweite Runde bzw. den Weg ins Ziel hinwies. Leider war für mich nicht klar, wo ich denn auf die zweite Runde abbiegen soll. Einen Weg nach links wie auf der Hinweistafel aufskizziert habe ich nicht gesehen. Auch den angeschrienen Streckenposten habe ich weder verstanden noch waren seine Winkzeichen für mich zu deuten. Also bin ich weiter meinem Vorläufer hinterher gelaufen, der allerdings früher gestartet und damit schon auf dem Weg ins Ziel war. Also habe ich mich zum Posten umgedreht. Dieser gab weder Laut von sich und noch mir ein Zeichen, aber der Abzweig liegt 20 Meter hinter mir und war aus dieser Perspektive gut zu erkennen. Also wieder etwas zurück und auf die zweite Runde. So ein Mist, hätte ich mir doch vor dem Start den Streckenplan etwas genauer angesehen. Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch also weiterlaufen und noch versuchen, den ein oder anderen Vorläufer einzusammeln. Dieses ist mir leider nicht gelungen. Erst dachte ich, dass der Abstand einfach zu groß und somit mein Missgeschick ohne Auswirkung auf die Platzierung war. Erst zu Hause beim Durchsehen der Ergebnislisten habe ich den tatsächlichen Grund erkannt: es war keiner mehr vor mir, ich war Erster (wenn auch nur in der Masterliga). Tolles Gefühl und super Motivation für Roth. Aber auch ein wenig Sorge, den Wettkampf mit zu hoher Intensität angegangen zu sein und damit für die Langdistanz zu viel Substanz gelassen zu haben.
Roth Jetzt steht er unmittelbar bevor, der Saisonhöhepunkt in Roth. Meine größte Sorge scheint unbegründet, die Wettervorhersage am Mittwoch prognostiziert nur sehr niedrige Regenwahrscheinlichkeit. Hoffentlich stimmt das, ein Wetter wie im Vorjahr wäre für mich die Hölle. Also haben wir in bester Laune am Freitag alle Sachen ins Auto geladen und los geht’s. Nach einer fast staufreien Fahrt hole ich mir als erstes Souvenir aus Hilpoltstein eine Beule am Kopf: beim Ausladen des Rads bin ich mit dem Kopf an die Heckklappe geknallt, eine kleine Wunde und eine große Beule. Das fängt ja gut an. Egal, jetzt fahren wir nach Roth zur Anmeldung und zur Pastaparty. Eine super Stimmung, eine gewisse Vorstart-Nervosität ist überall zu spüren. Leider habe ich keine Mitglieder vom Team getroffen, schade. Mit aufgefülltem Kohlehydratspeicher wieder früh zurück nach Hilpoltstein ins Hotel, heute möchte ich noch mal normal schlafen, sofern das geht. Am Samstag ist vormittags Scheckübergabe beim UNICEF-Stand, dann noch locker auf der Wettkampfstrecke pedalieren, zur Überprüfung des Rads und zur Einstimmung der Beinmuskulatur auf den morgigen Tag. Nachmittags steht nur noch der Rad Check-In auf dem Programm und locker bleiben, was mir erstaunlicherweise diesmal sehr leicht fällt. Abends noch meine Wettkampfutensilien zusammensuchen und zurechtlegen, dann gegen halb Zehn ins Bett. Sonntag Morgen, der Wecker klingelt und reißt mich aus dem Tiefschlaf. Das ist mir noch nie passiert, sonst schaue ich spätestens ab halb drei auf die Uhr und warte, bis es endlich Zeit zum Aufstehen ist. Nach einem kurzen Frühstück geht’s zu Fuß zum Schwimmstart. Dort ist schon reichlich Betrieb, mir scheint ich bin der Letzte. Also zügig fertig machen für den Start und dann kann es von mir aus losgehen. Nach dem Warmmachen ein letzter Blick in den Morgenhimmel, das Wetter sieht perfekt aus, eher zu warm als zu kalt. Ich bin doch zu früh fertig und nutze die Zeit, um die Atmosphäre am Start einzufangen. Einfach irre, so viele Starter voll mit Adrenalin und unzählige Zuschauer, die den Start miterleben wollen. Genug gesehen, jetzt ins Wasser, es geht los. Kaum bin ich locker bis zur Startlinie geschwommen ertönt auch schon das Startsignal. Das war eher knapp. Auf den ersten Metern achte ich mehr auf die Schwimmer neben mir als auf mein Schwimmen, ich möchte möglichst ohne Schläge oder Tritte abzubekommen aus dem Gewusel rauskommen. Langsam halte ich Ausschau nach ein paar guten Füßen, leider ohne Erfolg. Entweder sind diejenigen in meiner Nähe zu schnell oder wechseln zu häufig das Tempo. Also schwimme ich erst mal meinen eigenen Rhythmus mit wechselnden Vorschwimmern. Nach der ersten Wende schwimme ich etwas mehr Richtung Ufer. Da der Kanal eine leichte Krümmung hat ist das doch der kürzeste Weg. Offensichtlich falsch gedacht. Vor, neben und hinter mir ist plötzlich keiner mehr. Warum schwimmen alle den längeren Weg entlang der gesteckten Bojen in der Kanalmitte? Kurze Orientierungsphase, meine Route erscheint mir immer noch kürzer. Trotzdem komme ich langsam wieder in die Spur des Feldes zurück, schließlich will ich ja noch einen Vorschwimmer bis zum Schluss finden. Wahrscheinlich war meine Route doch nicht die kürzeste (schließlich sind alle anderen mehr in der Mitte geschwommen) und hat aufgrund fehlenden Wasserschattens auf jeden Fall etwas Kraft gekostet. Dafür konnte ich gut mein Tempo schwimmen und mich dabei auf die Technik konzentrieren, was hoffentlich wichtige Körner gespart hat. Auf den letzten Metern gehe ich in Gedanken den anstehenden Wechsel durch, schon ist das Schwimmen vorbei. Raus aus dem Wasser, locker beim Laufen meinen Beutel geschnappt und ab ins Zelt. Neo aus, Radschuhe an und zum Rad laufen. Es ist wie immer, die meisten Räder in meiner Nähe sind weg. Egal, ich schiebe das Rad im lockeren Trab zum Ausgang. Auf dem Rad ist es erstmal kalt, doch die nassen Klamotten trocknen schnell und die Muskelarbeit entwickelt auch angenehme Wärme. Mit dem Windschattenfahren habe ich zum Glück überhaupt keine Schwierigkeiten, mir scheint es sind kaum Radfahrer unterwegs. Klar, die guten Leute fahren alle weit vor mir und die meisten mit meinem Schwimmtempo sind auf dem Rad etwas langsamer. Ich fahre ausschließlich nach Gefühl, nur ab und zu werfe ich einen Blick auf den Pulsmesser und Tacho. Der Puls liegt meist so um 145, das Tempo registriere ich gar nicht und bei der Zeitangabe merke ich nur, wie schnell schon wieder 30 Minuten vergehen. Während des Fahrens genieße ich die schöne Landschaft, freue mich über das Super-Wetter und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Eine Marschtabelle habe ich nicht und so bin ich doch ziemlich überrascht, dass es schon nach knapp zwei Stunden den Solarer Berg hoch geht, die erste Runde ist nach ca. 2:20 beendet. Ich rechne mehrmals überschlägig die Radzeit hoch und komme immer wieder auf eine viel zu schnelle Zeit. So ein Tempo kann ich auf keinen Fall fahren, eigentlich nicht einmal die erste Runde. Habe ich völlig überzockt? Sicherheitshalber nehme ich etwas Tempo raus und fahre weiter nach Gefühl. Die zweite Runde ist nur unwesentlich langsamer, auf dem letzten Stück nach Roth nehme ich etwas Druck raus und versuche die Beine für das Laufen zu lockern. Schon ist die Wechselzone erreicht. Das Rad wird mir abgenommen und obwohl ich eine falsche Nummer rufe wird mir der richtige Beutel gereicht. Gut, dass die Helfer auf die Startnummer sehen. Im Zelt schnell Socken und Laufschuhe anziehen, dann auf das Klo und weiter geht’s. Jetzt also das Laufen, der Teil mit der schlechtesten Vorbereitung. Und natürlich die Frage, ob sich die Achillessehne bemerkbar machen wird oder nicht. Es kommt wie es kommt, notfalls gehe ich eben bis ins Ziel. Zeit habe ich ja genug. Was beim Schwimmen leider nicht geklappt hat merke ich erst, als ich auf den Kanalweg einbiege: ich habe eine Mitläufer, der genau mein Tempo läuft und fast von Anfang an an meinen Fersen klebt. Jetzt läuft er neben mich und fragt, ob ich das Tempo die gesamte Strecke durchlaufe. Ich schaue zum ersten Mal auf meine Pulsuhr und sehe ein Tempo von 4:25 beim Puls von etwas über 150 angezeigt. Auf meine Antwort, dass ich dieses Tempo nicht werde halten können und mit ziemlicher Sicherheit ab Kilometer 20 stetig etwas langsamer werden würde erwidert mein Mitläufer, dass er spätestens bei Kilometer 32 einbrechen würde und dann eine Gehpause wird einlegen müssen. Das sei bei ihm immer so. Ich wundere mich über eine solche Renneinteilung, verkneife mir aber einen Kommentar. Bei unterhaltsamer Plauderei im lockeren Trab nebeneinander vergehen die ersten zehn Kilometer wie im Flug. Ist mir so noch nie passiert. Nach dem ersten Wendepunkt merke ich dann, dass ich etwas Tempo rausnehmen muss und verabschiede mich von meinem Mitstreiter und lasse ihn Meter um Meter ziehen. Immerhin bleibt er noch lange Zeit in Sichtweite. So langsam merke ich den Wettkampf, mehr im Kopf als in den Beinen. Ich werde langsam müde, die Temperatur ist deutlich angestiegen, die Sonne knallt und das Gel schmeckt auch nicht mehr so gut wie am Anfang. Nach der ersten Hälfte geht es kurzfristig besser, schließlich komme ich ja gleich hier wieder in Gegenrichtung vorbei und dann nur noch zurück ins Stadion. So versuche ich immer wieder mich neu zu motivieren, aber der Weg bis zum zweiten Wendepunkt scheint kein Ende zu nehmen. Der Puls geht etwas runter, das Tempo sowieso, die Müdigkeit im Kopf nimmt zu. Mittlerweile sorge ich mich auch nicht mehr um meine Achillessehne, ich brauche alle Energie zum Laufen. Ich denke nur noch in Verpflegungsstellen: bis zur nächsten laufen, Becher schnappen und trinken, bloß nicht aufhören zu Laufen. Endlich der zweite Wendepunkt, jetzt nur noch zurück. Auf ein Mal sehe ich vor mir meinen anfänglichen Begleiter vor mir, gehend! Das muss so ungefähr bei Kilometer 32 sein. Froh, mir das Rennen besser eingeteilt zu haben laufe ich neu motiviert weiter. Die letzten drei, vier Kilometer gehen wieder wie von selbst, die letzte Kurve im Stadion genieße ich so gut ich kann. Dann ist Schluss, geschafft! Zeiten: Schwimmen 1:05:43 Wechsel 1 0:02:39 Rad 5:01:24 Wechsel 2 0:03:02 Laufen 3:20:55 Gesamt 9:33:41
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Zuletzt aktualisiert am Montag, 08. Februar 2010 um 09:03 Uhr |
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